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Magdalenenkult in Walleshausen
Quelle: Tilman RiemenschneiderVor 157 Jahren gingen die Walleshauser in der Prozession am Magdalenen Fest in ihrer angestammten Volkstracht. Außer den Festbesuchern kamen früher mit dem Kreuz auch die Pfarreien von Egling, Geltendorf, Schwabhausen, Geretshausen, Petzenhausen, Beuerbach, Scheuring, Winkl und Prittriching. Ab 1756, nach 60-jähriger Unterbrechung, pilgerte auch Weil wieder mit seinem Dekan an der Spitze nach Walleshausen. Am Vorabend und am Festtag waren Verehrung und Segen mit den Magdalenen-Reliquien.

Über die Bedeutung der Marienkirche berichtet der Kirchenführer:

Wohl kennt die Kunstgeschichte Bayerns zahlreiche Magdalenenkirchen – in gar vielen Werken der Malerei und Bildhauerei begegnet uns diese Heilige, deren Verehrung in Altbayern gerade im Zeitalter des Barock starken Auftrieb erhält - aber dass eine Kirche, die der Gottesmutter geweiht ist, mit insgesamt zwölf Darstellungen der Büßerin ausgestattet wird. Da das Langhaus eine förmliche Umgestaltung zu einem Magdalenenheiligtum erfährt, ist das zunächst wohl das einmalig bedeutsame an der Walleshauser Pfarrkirche; verständlich und zu erklären wohl nur aus der engen Verbindung zwischen der Pollinger und Walleshauser Tradition, gerade im Bereich des Magdalenenkultes. Darüber hinaus kommen aber durch den engen Konnex mit Polling in Walleshausen eine Reihe von Meistern zum Zuge, die das anfangs in herber spätgotischer Schönheit erstrahlende Gotteshaus harmonisch so umzugestalten verstanden, dass daraus ein förmliches „ Kleinod des Rokoko am mittleren Lechrain“ geworden ist, welches durch geglückte Renovierungen nunmehr wieder weitgehend in seiner ursprünglichen Schönheit erstrahlt. Die Kirche von Walleshausen zeigt in ihren Gemälden Lebensbilder der heiligen Maria Magdalena. Auf dem Magdalenenaltar stand 1756 noch ein Bildnis der hl. Maria Magdalena, von welchem anno 1728 Elias Echter, Zimmermann zu Walleshausen, bezeugt, dass nach Aussage von seinem Vater her, dies Bildnis von den Edlen Herrn von Hund herkomme, welche in Ungarn, wo sie im Krieg gedient, auf dem Saufluß schwimmen gesehen, solches aus dem Wasser herausgenommen und nach Walleshausen gebracht. Auf dem Rücken des Bildnisses ist die Jahreszahl 1518 mit Rötl aufgezeichnet zu sehen. Dieses Bildnis stand allezeit ohne Kleidung bloß mit denen vom Bildhauer gemachten Haaren bedeckt. Anno 1755 ließ R. D. Gilbert Manhard es durch eine Maler mit noch mehreren Haaren bedecken. Aber auf Anraten des damaligen General-Vikars A. N. Seitz ließ man es mit Kleidung völlig bedecken.

 

Heute ist dieses Bildnis längst verschwunden. Keine Aufschreibung berichtet, wohin es gekommen ist. Was hat man doch zu jener Zeit nicht alles für anstößig gehalten.

 

Bildquelle:
Dieses Bildnis ist von T. Riemenschneider 1492
Magdalena von Münnerstadt

 
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